RunOrDie


Da dies ein freies unentgeltliches Projekt ist und wir dennoch Ausgaben hatten, freuen wir uns, wenn dir das Projekt gefällt und du uns finanziell und sei es nur 1 € untertsützt!

Achtung! Bei folgenden Beschreibungen treten zwangsläufig Spoiler auf, auch wenn versucht wurde im großen auf die Story zu verzichten!

 

Danke an tobiashage.de für die Fotos

 

Die Entstehungsgeschichte

Die grundsätzliche Idee entstand schon lange vor dem Dreh und stammte von Max und Tobias, die einen Horrorfilm mit Parkour-Elementen drehen wollten. Nachdem diese noch sehr diffuse Idee lange Zeit ruhte, kam sie bei einer Unterhaltung zum Gespräch und ich wurde als ausführende Kraft mit ins Boot geholt. Ich nahm mich der Grundidee an und arbeitete ein Drehbuch aus, wurde somit zum offiziellen Produktionsleiter – allerdings war und ist es immer noch grundsätzlich ein Gemeinschaftsprojekt, nur dass ich es ausgearbeitet und umgesetzt habe. Spannender Fakt am Rande: durch zeitliche Probleme sahen wir die Location erst einen Tag vorher, somit musste extrem vieles noch in der Nacht vor Dreh umgeschrieben werden und am nächsten Tag ohne große Vorbereitung einfach ausprobiert werden. So gab es zwar ausgearbeitete Hauptszenen, welche die grobe Richtung und natürlich den Ausgang vorgaben, aber gerade die Übergänge und Details konnten erst vor Ort überlegt und geplant werden, was den Dreh ziemlich interessant gemacht hat.

 

 

Der Cast

Der Found-Footage-Stil des Filmes ließ uns für die Besetzung zwei Möglichkeiten: professionelle Schauspieler, welche als Rolle „Laienschauspieler“ und ganz alltägliche Menschen spielen – oder gleich eben diese „Laien“ und Alltagsmenschen, die ganz einfach sich selbst spielen. Wir entschieden uns für letzteres, abgesehen von Kinga.

Kinga Pollak

Kinga war nämlich die einzige, die bereits häufiger [als Schauspielerin] (Link zu: http://filmmakers.de/kinga-pollak) vor der Kamera gestanden hat und das nicht zu wenig.

Denn genau eine Rolle fiel aber aus dem Schema der Alltagsmenschen, Arbeitstitel „Das Böse“. Hier kam es tatsächlich darauf an, eine komplett fiktive Rolle zu gestalten und diese zu leben, samt Gestik, Mimik, Gangart etc. Es war im Vorhinein klar, dass wir hier jemand mit Schauspielerfahrung brauchen. Da das Böse, wie wir ja alle wissen, weiblich ist und ich Kinga von Früher kannte, stand sie relativ schnell fest und hatte trotz großer Spontanität Zeit.

 

 

Max Seidel

Max lieferte nicht nur die Idee zum Film sondern spielt auch selbst mit, in der Rolle des Max (ich werde das jetzt nicht bei jeder Person sagen).

Es gab im Drehbuch eigentlich nicht die Notwendigkeit einer Hauptfigur, allerdings rückte er durch die Parkour-Elemente natürlich in den Vordergrund. Außerdem war seine Rolle die Hauptfigur des fiktiven Drehs und diese Stellung merkt man im Film, auch wenn sie von uns nicht explizit so erzwungen wurde.

Seine fiktive Persönlichkeit entspricht meiner Meinung nach 1:1 seiner echten, was ihn zur authentischsten Figur im Film macht. Auch war er stark in der Planung involviert, danke dafür!

 

 

Laura Strähle

Laura ist einer dieser Menschen mit „Lieblingsmensch-Potential“. Ich meine, wie cool muss man sein, um am Tag des Drehs einem anonymen Jodel-Aufruf (Ähnlich wie Twitter, nur lokal gebunden und für Studenten) zu folgen und 14 Stunden mit 5 Kerlen und einem Mädel in einem verlassenen Krankenhaus zu verbringen – mit dem Kommentar „naja, ich hatte Zeit und das klang witzig“.

So fangen eigentlich echte Horrorfilme an.

Angekommen, ins Herz geschlossen, vor die Kamera gestellt, passt. Sie war diejenige des fiktionalen Drehteams, die sich am meisten verstellen musste. Da sie von ihrer Persönlichkeit als aufgeweckte, kecke Frau zum ängstlichsten Teil der Gruppe samt Justin-Bieber-Konzert-erste-Reihe-ähnlichem-Schreien mutieren musste. Zufall das genau dieser Art Schrei wie Todesangst klingt? Ich glaube nicht…

Tobias Jaeger

Und noch jemand der spontan dazu kam, allerdings nicht per Jodel (sorry Tobi, der Coolness-Punkt für spontane Zusage geht an Laura), allerdings hat Tobi etwas das Gold wert ist. Als Filmemacher habe ich öfters das Problem, dass ich eine Persönlichkeit verkörpert haben will, die nicht schnell mit einem Klischee beschrieben werden kann. Cooler Parkour-Runner, Klappen-Mädchen das Angst kriegt, kecker Freelancer-Videograf der viel auf sich hält….alles Klischees – aber ich wolle eine ruhige Konstante, die nicht ängstlich aber auch nicht der Draufgänger ist. Sie verfällt nicht schnell in Panik, aber Verzweiflung kommt langsam hoch. Und genau das konnte Tobi super verkörpern.

Seiner Rolle kann man kein typisches Klischee zuordnen, dafür ist seine Persönlichkeit sehr schlüssig und als Zuschauer kann man sich vermutlich am besten mit ihm identifizieren. Da die Firstperson-View allerdings versucht, dass sich der Zuschauer mit der Kameraperspektive (Jasper) identifiziert, wurde etwas in die Trickkiste gegriffen – so kriegt man bei Tobi beispielsweise keine ausgiebige Einleitung wie bei den anderen 3 Personen im Auto.

Friedrich Klingmann

Wer glaubt, dass man diesem Kerl das Grinsen austreiben kann, der irrt. Perfekt passend zu seiner Rolle als cooler, unabhängiger Videograf der immer Witzchen bringen muss und alles unter Kontrolle hat, verbreitet er auch hinter der Kamera gute Laune. Dazu noch ne kleine Prise Überheblichkeit (nur in der Rolle ^^) und alles war perfekt. Das schafft eine schöne Abstraktheit zu Beginn des Filmes und sorgt dafür, dass die erste Hälfte angenehm belebt bleibt, trotz dass der Horror erst noch richtig starten muss. Dafür gibt es genau diese Rolle und Friedrich war die perfekte Besetzung.

Er war der, der aus filmischer Sicht am schönsten seine Persönlichkeit indirekt zur Schau stellt, da er keine großen Monologe oder Dialoge braucht, sondern durch kurze Gesprächsfetzen und Handlung (der Donut-Effekt, achtet mal drauf) genau diese Mischung aus Witzbold, gute Laune und leichte Überheblichkeit erzeugt. Somit wurde Friedrichs Persönlichkeit am offensichtlichsten.

Allerdings hat er seiner Rolle auch sein frühes Ende zu verdanken, da das zu Horror gegensätzliche Element zwar gerade für den ersten Teil wichtig ist, aber ebenso hinderlich für den späteren.

 

Sounddesign

 

Kommen wir zur Vertonung des Videos. Normalerweise finde ich den Begriff „Sounddesign“ immer etwas irreführend, da in den meisten Projekten man meiner Meinung nach nicht von Design sprechen kann. Man sucht sich ein passendes Lied zum Werbefilm und alles passt. Ein wenig Dialog drüber und fertig.

Das Horror-Genre ist da etwas penibler. Sphärische Atmosphäre, viele Effekte, verschiedene O-Ton-Quellen, Dialoge – man muss wirklich den Film tontechnisch designen.

Die Sounds habe ich zum ersten Mal zum großen Teil auch selbst eingespielt, was mir eine völlig neue Freiheit des Sounddesigns gab. Somit steht auch zum ersten Mal in einem Abspann das Sounddesign, da ich es persönlich zum ersten Mal als tatsächliche Leistung sehe.

Ich habe zwar kein Tonstudio, jedoch Studiokopfhörer samt Interface 😉 Dieses Projekt war für mich die Bestätigung, das ab jetzt öfters so zu machen.

Zum Ton gehört leider auch die Sprache. „Leider“ in diesem Fall, weil ich größere Probleme damit hatte. Gerade die einführenden Autoszenen, wo der Dialog wichtig ist, waren geprägt von Autolärm. Es ist nicht so, dass ich damit nicht gerechnet hatte, das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Nachbearbeitung Nerv tötend ist. Auch später wurde kontinuierlich 3 Soundquellen gemischt, was die Sache nicht angenehmer gemacht hat.

 

 

Colorgrading

Das Grading hat dieses Mal auch einen höheren Stellenwert als sonst bekommen, einfach, weil unter keinen Umständen die Atmosphäre einen Knacks bekommen durfte. Das stört mich persönlich zum Beispiel an der Szene wo Friedrich zur Rede gestellt wird. Es ist storytechnisch notwendig, allerdings nimmt es ein bisschen die Dynamik.

Die ersten Szenen vom Autofahren wurden relativ unangetastet gelassen um den noch „rohen“ Effekt von Found-Footage zu zeigen. Bisschen Anpassungen hier, bisschen was da.

Die Parkour-Szenen bilden einen Übergang der Story. Das spiegelt auch das Grading wieder. Kontrastreich, wenig Glanzlichter, eher dunkler, aber gerade draußen so, dass man sich nicht recht zwischen Epik und unangenehmem Touch entscheiden kann. Allerdings merkt man auch hier an einer Stelle: das Innere des Gebäudes ist kühl geprägt, ein bisschen blaustichig. Draußen wurde auf diesen Blaustich bewusst komplett verzichtet, da das Gebäudeinnere als Böses wahrgenommen werden soll und die Außenwelt als Freiheit gilt.

Kommen wir zum Grading des Hauptteil. Tiefes schwarz, grün bis bläulicher Stich. Unbehaglich, düster. Trotzdem fällt bei genauerem Betrachten auf, dass das Außen immer noch hell und ohne erkennbare Farbgebung gegeben wird. Zum späteren Zeitpunkt wird auch noch die zusätzlich eingeschaltete Lampe durch das Grading unterstützt um das Sichtfeld des Zuschauers punktueller zu gestalten.

 

Licht

Das Licht hat in einem Film einen sehr hohen Stellenwert. Allerdings habe ich weder das Equipment, noch das Budget, um massiv ein Krankenhaus auszuleuchten. Hier kommt einem der Found-Footage-Stil wieder zur Hilfe. Es gibt nur eine Lichtquelle, was den Zuschauer aus seiner sonst im Film allwissenden Rolle befördert. Dazu haben wir uns einem Trick bedient
Wie auf dem Bild zu sehen ist, haben wir mit 2 Lampen gearbeitet.
Einmal ein Flächen LED-Panel. Man sieht das gesamte Bild gleichmäßig, allerdings nur den Vordergrund, nicht bis ganz in die Tiefe. Auch die weiter entfernten Teile auszuleuchten wäre mit mehr Leistung möglich, ist aber nicht gewünscht. Fun-Fact: mehr Leistung war sogar drin, das Panel lief auf 1%, da alles andere zu hell war. So wurde das Gruppenbild (ganz unten auf dieser Seite) mit 2 solcher Panele gemacht und glaubt mir, das war hell. Allerdings ist es schwierig in der Postproduction den Hintergrund auszumerzen, somit entschied ich mich dafür ihn einfach gar nicht stark möglich zu machen, durch das Herabdimmen der Lampe.

Als Zweites sieht man auf dem Bild die Taschenlampe. Sie sorgt für einen sehr weiten Blick, aber eben von der Breite beschränkt. Dies kam bei der Kegelbahn zum ersten Mal zum Einsatz, man merkt den Effekt recht stark. Eigentlich wollte ich in einem kurzen Dialog darauf eingehen, das wurde aber vergessen. So bleibt es dem Zuschauer selbst überlassen, ob er den erscheinenden Lichtkegel (stark merklich, da ich ja wollte, dass man sieht, dass er angeht) als Teil der Story akzeptiert oder nicht.

Auch in der Schwimmbad Szene wird dieses zweite Licht eingeschaltet (ebenfalls leider wieder ohne Dialog).

 

Kamera

Da ein paar Nachfragen kamen: Die Kamera ist eine Sache auf die ich eigentlich nur widerwillig eingehe, da eine Kamera Mittel zum Zweck ist. In meinem Fall gibt es für ein Projekt jeweils meist nur eine verfügbare Kamera und nur eine logische Einstellung dieser, hier bleibt also wenig Spielraum für Kreativität in der Wahl des Equipments. Auch wäre es gelogen, zu sagen, man hat sich bei der Kamera für dieses Projekt was gedacht, denn: ich besitze nun mal nur die. Bei Ton und Licht stelle ich mir mein Equipment so zusammen wie es exakt passt. Wir hatten für die Autoszene zwar eine 2t Kamera, eine DSLR, das war allerdings dem zu verschulden, dass ich eine Brennweite benötigt habe, die wir nur mit Nikon-mount hatten, ich allerdings einen Canon-mount benötige. Die Einstellungen, die flexibel sind, sind absolute Geschmacksache. Ich bewege mich eben ungerne aus 45-60mm raus, stehe auf 24fps und habe eine Vorliebe für Slowmotion. Das 2,35 Format nach der Einleitung dient der Einengung des Zuschauers. Das ganze hätte aber genauso bei 20mm , 50 fps und 4:3 geklappt, reine Geschmackssache, eben wie sich der der Regisseur wohlfühlt (dem kommt natürlich zu gute wenn Kamera und Regisseur die gleiche Person sind :D).

 

Tobias Hage

Tobi (nicht der im Film zu sehende Tobi, wir hatten 2) bekommt von mir einen eigenen Punkt, da ich ihn bisher nicht so ganz würdigen konnte. Denn Tobi hat sich sowohl um die Location(s) (Besichtigung etc) gekümmert, als auch zum großem Teil die organisatorische Planung im Vorfeld gemacht und war die ganze Zeit meine rechte Hand beim Filmen. Er hat auch gedreht, leider stammen nur 4 Szenen von ihm, da ich eben auch gesprochen habe und damit Teil des Videos war. Ihm haben wir dafür die wunderbaren BTS-Fotos zu verdanken, die auch auf dieser Seite zu sehen sind. Dass er die Fotos gemacht hat, hat zum Nachteil, dass er nur auf dem Gruppenfoto (am Ende dieser Seite) und auf dem  links zu sehenden Selfie ist. Er hat sich auch um die Speicherverwaltung gekümmert und insgesamt beim Drehbuch stark mitgewirkt, aufgepasst, dass alles läuft und Kameraeinstellungen, Story und Co passen. Ohne ihn wäre dieses Projekt in diesem Umfang nicht möglich gewesen, danke!

Besucht ihn doch mal auf tobiashage.de, er ist ein hervorragender Fotograf!

 

 

(Fun)Facts

Einige witzige Fakten zum Abschluss:

  1. Laura ist erst am Tag des Drehs über einen Aufruf auf der Plattform Jodel zu uns gestoßen
  2. Die Unterhaltung im Auto ist zu 75% echt. Die Frage von Max, ob man sich auf einer Metaebene befindet, kam daher, dass die Protagonisten ab und zu selbst nicht wussten, ob die Gespräche gerade echt oder für den Film waren. Ich habe das quer durcheinander gespielt.
  3. Während beinahe des gesamten Drehs wurde auf dem Dach ganz normal gearbeitet, da das Krankenhaus wirklich saniert wurde
  4. Die Donuts hätten eigentlich eine (noch) größere Rolle spielen sollen, wurden aber schon vor Ende der Parkour Szenen aufgegessen ^^
  5. Da wir 2 Stunden zu spät on Location waren, mussten wir je 2 Rollen Dachpappe (je 15 kilo) über die Wendeltreppe (im Video kurz zu sehen) aufs Dach schleppen.
  6. Die Location stand erst einen Tag vor Dreh definitiv fest, nachdem eine andere geplatzt war
  7. Das Lied am Ende ist nachts um 3 aus Langeweile, eigentlich für eine Trompete gedacht, entstanden
  8. Es kam öfters vor, dass beim verzweifelten an-der-Tür-rütteln die Tür wirklich aufging, was ne verdammt gute Komik abgab
  9. Sowohl Ton als auch Klappe waren zwar eigentlich für den fiktiven Film im Film gedacht, wurden aber auch im echten genutzt….außer Friedrich mit seinem Handy auf der Steadycam, das war einfach nur drin, weil’s witzig war 😀
  10. Max lief bei den meisten Szenen gegen Ende bereits mit Blut auf der Vorderseite des Tshirts herum, weil diese nachgedreht wurde.
  11. Das Laura sich so verrenken konnte erfuhren wir erst direkt vor dieser Szene, das war so eigentlich nicht eingeplant.
  12. Bei der finalen Szene sind wir volle Kanne an einer gut geöffneten Tür vorbei gerannt, die sich nicht schließen ließ. Konnte ich durch Kameraführung kaschieren, wenn man aber genau hinschaut, sieht man sie.
  13. Der Titel des Filmes steht mit Blut an der Wand in dem Raum wo das Handy gefunden wird, das geht aber etwas unter.
  14. Zu guter Letzt: da dies ein freies Projekt ist, wir aber dennoch einige Ausgaben hatten, freuen wir uns, wenn dir das Projekt gefällt und du uns finanziell unterstützen magst – und sei es nur 1 €!